Kniffe fürs Kneifen

Viele frisch entbundene Mütter leiden unter Inkontinenz. Wenn du also Probleme hast, das Wasser zu halten, bist du damit nicht alleine!

Ingela Ågren

3 Min. Lesezeit

Bewertung von Ingela Ågren

Approbierte Hebamme

Kniffe fürs Kneifen
Foto:pixabay.com

Inkontinenz? Sich nass machen?! Peinlich ... oder ...? Sicherlich hast du bereits davon gehört, dennoch reden nur wenige Menschen offen darüber. Leider ruft Inkontinenz immer noch häufig Scham und Sorgen hervor, obwohl es völlig normal ist, das Wasser nicht ganz halten zu können, wenn man gerade erst ein Kind geboren hat. Während der Schwangerschaft steigt der Spiegel des Hormons Relaxin an. Relaxin bereitet den Körper auf die Geburt vor, indem er das Gewebe im Beckenboden aufweicht. Wenn das Baby bei der Geburt dann nach unten gepresst wird und die um Harnleiter und Harnblase liegenden Muskeln geschwächt sind, kann dies zu Inkontinenz vor allem beim Lachen, Husten oder Niesen führen. Frauen, die mehrere Kinder haben und diese vielleicht unter Schwierigkeiten entbunden haben, sind besonders anfällig für Inkontinenz.

Aber es gibt ein einfaches Gegenmittel – Beckenbodengymnastik! Wenn du deine Beckenbodenmuskulatur regelmäßig und auf die richtige Weise trainierst, besteht eine gute Chance, dich wieder vollständig zu erholen. Ob du es richtig machst, kannst du kontrollieren, indem du einen Finger in deine Scheide einführst und so fest zukneifst, wie du kannst. Es muss sich anfühlen, wie wenn die Muskeln nach oben gezogen werden. Wenn du den korrekten Kniff nicht findest, kannst du deine Hebamme um Hilfe bitten. Diese Kneifübungen solltest du jeden Tag machen und lange, jeweils 20-30 Sekunden lang, halten. Anfangs kannst du dich auf den Rücken legen und die Beine anziehen, um die Technik zu verinnerlichen. Stell dir vor, du willst einen Urinstrahl unterbrechen, indem du deine Muskeln nach „innen oben“ ziehst. Wiederhole diese Übung acht Mal. Wenn du einmal weißt, wie sie gemacht wird, kannst du sie immer und überall durchführen. Eigne dir eine eigene Kneifroutine an, beispielsweise: immer im Bus, immer beim Zähneputzen, immer in der Kantinenschlange oder vielleicht beim Stillen. In der Apotheke sind spezielle Trainingskugeln, die oft auch Vaginal-, Lust- oder Liebeskugeln genannt werden, erhältlich, die Beckenbodenübungen noch effektiver machen. Erkundige dich nach einem passenden Modell und Gewicht und zeige die Kugel deiner Hebamme, damit diese deine Beckenbodenstärke messen und dir die Technik zeigen kann – mit Kugel kannst du gar nichts falsch machen!

Wenn du vor allem beim Husten Probleme hast, setze dich dazu hin und entlaste so den Beckenboden. Wenn es meistens beim Tragen schwerer Lasten passiert, strecke den Rücken und gehe lieber ein paar Male öfter, dann aber mit weniger Gewicht. Bei einem Urotherapeuten sind sogar speziell geformte Vaginalstützen erhältlich. Sollte dir das Kneifen schwerfallen, sprich mit deiner Hebamme, es gibt auch elektronische Hilfsmittel.

Wenn du deine Beckenbodenübungen regelmäßig machst, aber keine Besserung auftritt oder du sechs Monate nach der Geburt immer noch Beschwerden hast, solltest du Hilfe suchen. Inkontinenz kann in gewissen Fällen mit Akupunktur, Medikamenten oder operativ behandelt werden. Und gehe auch nie „nur zur Sicherheit“ pinkeln, denn damit riskierst du eine überaktive Blase.

Quelle: Swedish Health Care Guide

Ingela Ågren

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